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Norbert Raith (Architekturbüro Raith), Dipl.-Ing. Franz Scheuerer (Landratsamt Kelheim), Johann Wilhelm (Fa.Schaible), Florian Marklstorfer (Ingenieurbüro Brundobler) (v.r.) erklären Besuchern die Heizanlage. Foto: epkMZ FREITAG, 10. JUNI 2011
Staunen über so viel Technik
Zur Bayerischen Klimawoche 2011 präsentierte die Realschule Riedenburg ihre Hackschnitzelanlage.
Diese ist ein Vorbild in Sachen erneuerbare Energien
RIEDENBURG. Am Mittwochabend öffnete die
Johann-Simon-Mayr-Realschule im
Rahmen der Bayerischen Klimawoche 2011 die Pforten ihrer Heizzentrale für Besucher. Die Zahl der Interessierten
an dem landkreiseigenen Besichtigungsobjekt
war sehr überschaubar, dabei hat das innovative Energiekonzept, das im Zuge der energetischen Sanierung
und des Teilneubaues von
Schulgebäuden und Lehrschwimmhalle umgesetzt wurde, durchaus Modellcharakter auch für den privaten
Häuslebauer. Heimisches Holz ideal
verwertet. Vor Ort informierten Florian Marklstorfer vom Ingenieurbüro Brundobler,
Johann Wilhelm vom Heizungs- und
Installationsbetrieb Schaible, Dip.-Ing. (FH) Franz Scheuerer vom Landratsamt Kelheim und Norbert Raith vom
gleichnamigen Architekturbüro die Besucher
ausführlich über die Funktionsweise der
Hackschnitzelheizung, deren Heizkessel eine Nennwärmeleistung von 550 kW aufweist. Die Hackschnitzel werden von der
Waldbauernvereinigung Berching-Neumarkt e.V.
geliefert und stammen aus heimischem, gehäckseltem Stammholz. Die Qualität des
Brennstoffs und der hohe Trocknungsgrad sorgten für einen sehr geringen
Ascheanfall, lobte Scheuerer die Waldbauern. Ein Zyklonfilter filtert zusätzlich Feinstaub aus der Abluft. Für die Lagerung der Hackschnitzel
wurde ein Bunker mit etwas mehr als 150 Kubikmetern Fassungsvermögen
gebaut. „Wir unterschreiten die derzeit geltende
Energieeinsparverordnung 2009 um rund 30 Prozent“, bilanzierte Architekt Norbert Raith. Man habe auf ein
Energiekonzept gesetzt, das vollkommen frei von fossilen Brennstoffen sei. Dies sei durch eine
Kombination aus der erwähnten Hackschnitzelheizung mit einer grundwassergespeisten Wärmepumpe und rund
100 Quadratmetern Sonnenkollektoren auf dem zweiten Bauabschnitt für die Duschen der Turnhalle
erreicht worden. Das System wird vervollständigt durch zwei Pufferspeicher mit 15000 und 5000 Litern
Fassungsvermögen. Dreifachverglaste Fenster, umfangreiche Dämmmaßnahmen und die kompakte Bauweise der Gebäude
rundeten das Gesamtkonzept ab. Anstelle der früheren konventionellen Heizkörper, die an eine Gasheizung
angeschlossen waren, setzt man jetzt auf flächendeckende Niedertemperatur Fußbodenheizung, die dank der
Wärmepumpe im Sommer umgeschaltet werden kann und dann die Unterrichtsräume um ein bis zwei Grad
abkühlt. Selbstverständlich seien alle Lüftungsanlagen mit einer Wärmerückgewinnung mit 70 Prozent
Rückgewinnungsgrad ausgerüstet, ergänzte Raith und merkte
an, den Hausmeister müsse man künftig als
Gebäudemanager sehen, denn er sei für die regelmässige
Überwachung der Anlage zuständig,
die neben den Funktionsabläufen auch potentielle Störquellen, wie offenstehende
oder gekippte Fensterflügel anzeige, die dazu
führen könnten, dass die Heizung selbständig herunterfahre. Anlage ähnelt einem
Raumschiff. Eine Besucherin fühlte sich im Heizraum angesichts der zahlreichen
Leitungen und Anzeigeinstrumente an ein Raumschiff erinnert, wurde jedoch
von Scheuerer beruhigt: in Einfamilienhäusern
würde man weder auf diese Dimensionen setzen, noch auf einen so vielfältigen
Systemmix. Die Anlage sei präzise auf die Bedürfnisse dieser
Bildungseinrichtung zugeschnitten. Im Privathaus würde man beispielsweise eine
Wärmepumpe mit einem Einzelofen kombinieren, den man mit Scheitholz befeuere
und der im Idealfall mit einer Wassertasche ausgerüstet sein sollte, um den
Pufferspeicher mit versorgen zu können.
(C)Mittelbayerische Zeitung Kehlheim


